Sarmitchki (gefüllte Weinblätter auf bulgarisch), inkl. Kulturinfos

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Weinblätter zu füllen hat auch in Bulgarien eine lange Tradition. Das Wort „Sarma“ ist ein Überbegriff für etwas, das in Blätter gefüllt wird. Sarmitchki ist die Verkleinerunsform, denn wenn man Weinblätter füllt, dann sind sie eben klein. Zumindest kleiner als andere „Sarmi“. Zum Beispiel füllt man in Bulgarien auch sehr gerne Sauerkrautblätter. Die macht man mit Faschiertem und Reis. Gefüllte Weinblätter sind in Bulgarien traditionell vegan und werden nur mit Reis gefüllt.

Tatsächlich sind solche Sarmitchki sehr wichtig, besonders in der Fastenzeit. Denn da isst man nur „postni jastia“, was so viel bedeutet wie Fastengerichte und da ist man eben keine tierischen Nahrungsmittel. Deswegen ernten viele Leute im Frühjahr ganz viele Weinblätter und legen sie ein. So hat man dann immer welche auf Vorrat, wenn man mal Sarmitchki braucht für einen Festtagstisch in der Fastenzeit, wie zB. zu Heiligabend.

Ich habe hier das Rezept von meiner Großmutter herausgesucht. Sie macht die gefüllten Weinblätter im Rohr. In Bulgarien ist es nämlich eher die Regel, dass man Reisgerichte im Backrohr zubereitet und nicht im Topf. Aber darüber werde ich später einmal mehr erzählen. Jetzt werden Sarmitchki gemacht…

Gefüllte Weinblätter selber zu machen ist wirklich sehr leicht. Es ist nur etwas zeitaufwendig sie zu rollen, ansonsten gibts da keine Hindernisse. 🙂

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Zutaten:
1 Tasse Reis (am besten Risotto)
2,5 Tassen Wasser
ca. 200 g Weinblätter, bzw. 30 bis 40 Stück
2 große Zwiebeln
1 bis 2 TL Paprikapulver
1 EL Zitronensaft
Salz
Pfeffer
1 TL Oregano
2 EL Gjosum (bulgarische Minze, alternativ auch „normale“ Minze)
Öl zum Anbraten

Zubereitung:
Die Zwiebeln werden gehackt und in einer großen Pfanne angebraten. Wenig später kommt schon der Reis in die Pfanne mit 1 Tasse Wasser und den Gewürzen und dem Zitronensaft. Das Ganze braucht recht viel Salz. Ich schätze so 1,5 TL. Ganz wichtig ist hier die Minze. Bulgariche Minze (Gjosum) wird man hier schwer finden. Man kann jede andere Minze auch nehmen, am besten jedoch eine mit relativ geringem Mentholgehalt, wie zB Krauseminze. Notfalls geht aber natürlich auch die Pfefferminze. Mit der schmeckt es dann eher wie griechische gefüllte Weinblätter.
Der Reis nimmt das Wasser sehr schnell auf. Dann stellt man die Pfanne vom Herd und lässt die Masse auskühlen.

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Während dessen kann man sich um die Weinblätter kümmern. Wenn man frische Weinblätter hat, sollte man diese vorher kurz köcheln. Wenige Minuten in einem Bad mit kochendem Wasser reichen, damit sie etwas zusammenfallen und so leichter zu falten sind. Falls man jedoch eingelegte Weinblätter nimmt, ist das Kochen nicht unbedingt notwendig, aber oft doch recht sinnvoll. Denn die Weinblätter werden beim Einlegen recht stark gesäuert und wenn man sie vorher wenigstens in heißem Wasser eine Weile badet, verlieren sie etwas von der überflüssigen Säure. Bei eingelegten Weinblättern, kann man meist sogar auf den Zitronensaft (siehe oben) verzichten.

Die Weinblätter sollten dann aber auch soweit auskühlen, damit man sie gut anfassen kann. Denn jetzt geht es ans füllen. Am besten nimmt man sich einen großen Teller als „Arbeitsplatz“. Mann nimmt ein Blatt und entfernt den Stiel. Dann legt man etwa einen Esslöffel voll Masse aus der Reispfanne auf das untere Ende des Blattes und beginnt es nach oben hin einzurollen (siehe Foto’s). Sobald man eine „Drehung“ gemacht hat schlägt man die beiden Seiten zur Mitte hin und rollt das Weinblatt zu Ende. Mit der offenen Seite nach unten legt man nun diese Sarmitchka auf ein Backblech (damit es sich nicht von selber aufrollt). Das macht man mit allen Blättern und belegt das Blech damit.
Dann werden die restlichen 1,5 Tassen Wasser auf das Blech verteilt. Die Sarmitchki werden nicht vollständig bedeckt sein, das ist in Ordnung so.

Das Ganze schiebt man in den Ofen bei ca 170°C für etwa eine halbe Stunde, oder auch etwas mehr. Fertig sind sie wenn die Flüssigkeit aufgesogen ist. Dadurch werden die Weinblätter noch praller, also rollt sie vorher nicht zu fest ein.

Hier noch eine Feinheit am Rande. Reis kocht man ja normalerweise 1:2 mit Wasser. Da hier aber einiges verdunstet, erst in der Pfanne und später vor allem im Backrohr nimmt man mehr. Oft auch 3 Tassen Wasser auf 1 Tasse Reis. Mein altes Backrohr hat viel Feuchtigkeit immer über die Lüftung verloren. Mein jetziges hält den Wasserdampf sehr effektiv zurück. Also ob ihr jetzt am Ende 1,5 Tassen Wasser noch hinzufügen müsst oder gar 2 Tassen hängt von eurem Rohr ab. Probiert es einfach aus.

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Zubereitungszeit: ca 1,5 bis 2 Stunden (inkl. Ruhezeit)

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